Im Januar 2024 konnte ich die Anbindung des SENEC-Collectors an die SENEC-App-API ankündigen. Besitzer eines Stromspeichers der aktuellen Generation V4 (z.B. SENEC.Home P4) konnten seitdem ihre Messwerte direkt in SOLECTRUS einbinden.
Doch am 21. Juli 2025 änderte sich die Situation abrupt: SENEC schaltete die bislang genutzte Schnittstelle ab. Drittanbieter-Software – darunter auch der SENEC-Collector – erhielten nur noch eine Fehlermeldung: 401 - Unauthorized
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Was folgte, war eine Phase intensiver Analyse und Umstellung. Die gute Nachricht: Nach einer Woche war eine Lösung implementiert. SOLECTRUS kann wie gewohnt die aktuellen Messwerte abholen und anzeigen, auch vom SENEC.Home P4.
Rückblick: Wie kommen überhaupt die Messwerte zu SOLECTRUS?
SOLECTRUS unterstützt verschiedene Stromspeicher und Wechselrichter. Bei SENEC gab es bislang zwei verschiedene Wege, um an die Daten zu gelangen:
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Lokaler Zugriff: Messwerte werden direkt vom Gerät abgeholt – offline, stabil und schnell. Das unterstützen aber nur ältere Modelle wie der V2.1 und V3. Die V4-Familie bietet hingegen keinen lokalen Zugriff.
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Cloud-Zugriff: Dieser Weg ist nicht offiziell dokumentiert und eigentlich nur für die SENEC-eigene App gedacht. Sie funktionierte dennoch auch für Drittanbieter wie SOLECTRUS – bis vor kurzem.
Was hat sich technisch geändert?
SENEC setzt seit Ende Juli 2025 beim Cloud-Zugriff auf OpenID Connect, ein modernes Authentifizierungsverfahren für Single Sign-On. Es reicht fortan nicht mehr, nur Benutzername und Passwort zu kennen – auch die App selbst muss sich als vertrauenswürdig ausweisen und für den Login ein mehrstufiges Authentifizierungsverfahren durchlaufen.
Diese Umstellung war aus Sicht von SENEC schon aus Sicherheitsgründen sinnvoll: Die bisherige API arbeitete mit sehr langlebigen Access-Tokens, was keineswegs ideal ist. Das neue OpenID Connect-Verfahren verwendet zeitlich begrenzte Tokens, die regelmäßig erneuert werden müssen.
Die Herausforderung für Drittanbieter
Für die offizielle SENEC-App war das kein Problem, da SENEC die API-Umstellung und App-Anpassung aufeinander abstimmen konnte. Tools wie der SENEC-Collector mussten aber ohne Vorwarnung und ohne Dokumentation umgestellt werden. Dieser Schritt war technisch anspruchsvoll und erforderte ein umfassendes Redesign der Kommunikation mit den Servern von SENEC.
Klar ist natürlich: Die Schnittstelle war und ist nicht offiziell für Drittanbieter vorgesehen. Trotzdem ist diese Anbindung für viele Nutzer, die eine Alternative zur offiziellen App von SENEC haben möchten, ein zentrales Feature.
Die Lösung: Anpassung an die neue Authentifizierung
Nach intensiver Arbeit unterstützt der SENEC-Collector ab Version 0.18.0 nun das neue OpenID Connect-Verfahren. Der Zugriff auf aktuelle Messwerte funktioniert wieder – auch für den P4. Wer sich für die technischen Details interessiert, findet im GitHub-Repository meines Ruby-Gems die genaue Implementierung.
Essenziell war die Unterstützung von Matthias Marquardt (@marq24). Von ihm kamen entscheidende Hinweise zur Implementierung der neuen Authentifizierung. Seine Home-Assistant-Integration war der Schlüssel zur Lösung. Vielen Dank dafür!
Wir haben uns übrigens gemeinsam darauf verständigt, dass wir unsere API-Clients offen und transparent gestalten. Das soll heißen, dass wir nicht versuchen, die Zugriffe auf die SENEC-Server zu verschleiern, sondern einen klar identifizierbaren User-Agent verwenden. Für den SENEC-Collector heißt das konkret, dass bei allen Anfragen an die SENEC-API die folgende Information gesendet wird:
User-Agent: SENEC-Collector/0.19.0 (+https://github.com/solectrus/senec-collector)
Damit ist klar erkennbar, welcher Client auf die Schnittstelle zugreift - und ermöglicht es SENEC prinzipiell, gezielt zu filtern und unliebsame Clients auszusperren. Das ist ein bewusstes Signal: offenes Visier statt Versteckspiel.
Mein Standpunkt
In einer idealen Welt gäbe es von SENEC eine offizielle API – offen dokumentiert, stabil, mit Unterstützung für Entwickler. Denn als Betreiber eines Stromspeichers sollte man jederzeit Zugriff auf die eigenen Messwerte haben – nicht nur per App, sondern auch über offene Schnittstellen, die Drittanbieter in alternative Software integrieren können.
Nur zur Klarstellung: SENEC ist hier beileibe nicht der einzige Hersteller, der ganz auf die eigene App setzt und seinen Nutzern keinen anderen Weg anbietet, an die Messwerte heranzukommen. Das ist leider ein weit verbreitetes Problem in der Branche. Wer schon mal versucht hat, automatisiert an die Messwerte seiner Wärmepumpe oder seines E-Autos zu kommen, weiß, wovon ich spreche.
Falls SENEC künftig einen offiziellen API-Zugang anbieten sollte, implementiere ich das für SOLECTRUS sehr gerne. Bis dahin gilt: Auf inoffiziellem Weg steht die Verbindung wieder.